100 Jahre Brand- und Katastrophenschutz in Westerndorf
Rosenheim/Westerndorf – Seit auf den Tag genau 100 Jahren löschen sie Brände und sorgen zuverlässig für Sicherheit im Rosenheimer Stadtteil Westerndorf am Wasen und in den benachbarten Orten: die Mitglieder der Löschgruppe Westerndorf. Jetzt feiern die Westerndorfer den 100. Gründungstag „ihrer“ Floriansjünger unter der Leitung von Peter Märzendorfer, Andreas Hummel, Josef Gilg und Hans Kink. Aus diesem Anlass ist am Samstag, 30. Mai, ein Festgottesdienst in der Rundkirche Sankt Johann Baptist. Zelebrant ist Pfarrer Stefan Fischbacher, gebürtig aus Pang, heute Prodekan in Miesbach und Pfarrer am Tegernsee.
Im Anschluss führt ein Festzug zum Anwesen von Ehrenmitglied Stadtrat Georg Kaffl. Erwartet werden auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, Stadtbrandrat Hans Meyrl und die Stadträte. Beim Festabend stoßen sie mit den aktuellen und ehemaligen Mitgliedern der Feuerwehr Pang an, mit den Ehrenmitgliedern, der gesamten Dorfgemeinschaft und befreundeten Feuerwehrlern.
Auf eine bewegte Geschichte blickt die Löschgruppe Westerndorf zurück, stets geprägt von einem großen Sinn für das Gemeinwohl auch in schwierigen Zeiten. Die logistischen Herausforderungen in der damals noch eigenständigen Gemeinde Pang waren groß Anfang des 20. Jahrhundert. Die Feuerwehrkräfte wurden mit Kirchenglocken alarmiert und rückten mit Pferdegespannen aus. Hinzu kam, dass das große Gebiet der Gemeinde Pang bestmöglich abgedeckt werden musste. So kam es im Jahr 1906 zur Gründung der zusätzlichen Feuerwehr Mitterhart-Schwaig. Nach dem ersten Weltkrieg, der großen Inflation und Währungsreform gab es neuerdings Überlegungen seitens der Westerndorfer, wie man Brand- und Katastrophenschutz westlich des Hauptorts verbessern kann. So wurde im Frühjahr 1926 ein eigenes Gerätehaus gebaut. Initiator war Josef Fischbacher, Schober-Bauer, der das Grundstück für die „Zweite Kompanie“ unentgeltlich zur Verfügung stellte. Eine Saug- und Druckspritze, die bereits 40 Jahre in Pang im Einsatz war, sowie 125 Meter Schlauch gehörten zum Inventar. „Möge der Wehr von Westerndorf ein weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen bevorstehen“, heißt es im Originalbericht aus dem Jahr 1926.
Bei großen Bränden 1926 und 1934 stellte die neue Löschgruppe schließlich ihre Schlagkraft unter Beweis, bevor 1936 der erste Ortskommandant Josef Fischbacher mit nur 43 Jahren verstirbt. Sein Nachfolger wurde Josef Gilg im Alter von nur 28 Jahren. Er hatte es anfangs nicht leicht, in diesem respektfordernden Amt Anerkennung zu finden, heißt es in den Chroniken, und doch zeichneten ihn großer Wille und große Überzeugungskraft aus, sodass er schließlich über 30 Jahre lang die Löschgruppe anführte und sogar die Ehrenmitgliedschaft der Feuerwehr Pang erhielt.
Während des Zweiten Weltkriegs übernahm Georg Kaffl die Truppe. Da Josef Gilg und die weiteren Feuerwehrmänner zum Wehrdienst einrücken mussten, übernahmen 18 Frauen den Brandschutz. Ihr erstes Feuerwehrauto bekamen die Westerndorfer 1962, Ersatz kam jeweils 1969 und 1980. Geprägt war der Dienst stets von viel Eigenleistung aus der gesamten Ortsgemeinde. Weil die Panger und Westerndorfer auch 1996 an einem Strang zogen, gelang es ein neues Feuerwehrhaus zu bauen. Durch enorme Anstrengungen der Führungsriege und dank einer finanziell sehr erfolgreichen Festwoche im Jahr 1993 waren die Grundsteine gelegt für die Zukunft der Löschgruppe, die ansonsten ihr altes Gerätehaus nicht mehr hätte weiter nutzen dürfen und wohl vor einer Auflösung gestanden wäre.
Mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker vereinbarte die Kommandantur, dass die Stadt die Kosten für ein neues Fahrzeug trägt und dafür der Feuerwehrverein unter der Leitung des heutigen Ehrenvorstands Stefan Fischbacher die Mittel für das neue Gebäude. Bauen mussten es die Westerndorfer selbst, wobei sie wiederholt einen großen Zusammenhalt und handwerkliches Geschick bei allen Gewerken unter Beweis stellten. Über 2500 Stunden leisteten sie für das noch heute in Betrieb befindliche Gerätehaus, das zwischen Huberwirt und Schoberhof liegt. Hinzu kam die reichhaltige Versorgung durch die Frauen, die immer mit Getränken und Brotzeit zur Seite standen. Auch viele örtliche Firmen unterstützten das Projekt. „Nachdem der Spritzenhaus-Firstbaum, den die Aisinger Feuerwehr gestohlen hatte, rechtzeitig zum Heben des Dachstuhls zurückgebracht wurde, konnte zünftig gefeiert werden“, schrieb Stadtrat und Oberlöschmeister Georg Kaffl am 23. August 1996 im Anzeigenkollektiv des Oberbayerischen Volksblatts. Weitere Ortskommandanten und Gruppenführer waren zudem Paul Deutschenbaur, Eugen Aerzbäck, Georg Kaffl, Hans Rutz, Georg Rutz und Josef Gilg. Als Zeugwarte fungierten Georg Kaffl und Johann Tremmel. Bedeutende Fürsprecher waren zudem Ehrenkommandant Willi Scholz und Kreisbrandmeister Hans Schwaiger. Heute leiten Andreas Hummel, Josef Gilg, Peter Märzendorfer und Hans Kink die Gruppe.
So stellen die Westerndorfer bis zum heutigen Tag Brand- und Katastrophenschutz nah an den Menschen in verwurzelten Strukturen sicher. Das Gerätehaus ist fußläufig vom ganzen Ort in nur wenigen Minuten erreichbar und das Einsatzaufkommen steigt weiter an. Technische Hilfeleistungen vor allem bei Unfällen auf den immer stärker befahrenen Fernstraßen wie A8, A93 und B15a („Westtangente“) fordern die ehrenamtlichen Kräfte zunehmend. „Wir freuen uns auf den 30. Mai“, so Gruppenführer Andreas Hummel. Er hofft, dass es gelingt die Löschgruppe erlebbar zu machen und mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. „Im besten Fall erreichen wir somit auch interessierte Frauen und Männer, die sich vorstellen können, uns zu unterstützen und sich ehrenamtlich für das Dorf zu engagieren“, ergänzt er. Damit die Löschgruppe Westerndorf auch in den nächsten 100 Jahren ihren Dienst am Nächsten leisten kann, brauche es stets Freiwillige. Dabei geht es keinesfalls nur um Leistung, Disziplin und Arbeit, sondern auch um Kameradschaft. Jeder Übung folgt ein geselliger Ausklang im benachbarten Huberwirt und die Teilnahme an Jubiläen und Festen sowie das alljährliche Dorffest sind weitere beliebte Termine.
Beginn vom Dankgottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum am Samstag, 30. Mai, ist um 19 Uhr in der barocken Rundkirche Sankt Johann Baptist und Heilig Kreuz. Zuvor wird um 18 Uhr ein neues Gruppenfoto gemacht. Im Anschluss an den Gottesdienst führt um 20 Uhr ein Festzug vom Johannesweg durch das Dorf und den Kehlweg zum Anwesen von Stadtrat Georg Kaffl. Dort folgen Grußworte von Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, Löschmeister und Gruppenführer Andreas Hummel, Ehrenmitglied Stadtrat Georg Kaffl, zweiten Vorstand Daniel Baier, Stadtbrandrat Hans Meyrl und Kommandant Günter Scholz. Es gibt Wein, Kaffee, Kuchen, Gegrilltes und Getränke auf Spendenbasis und die Gelegenheit mit den Floriansjüngern aus Pang und Westerndorf unter der Leitung von Vorstand Thomas Fischbacher und Kommandant Günter Scholz ins Gespräch zu kommen. Bevölkerung und Gäste erfahren so mehr über den Alltag der Feuerwehrler.
Die Frauen der Floriansjünger nehmen mit den Feuerwehr-Schürzen ebenfalls teil, ebenso die Kutsche von Georg Gilg mit den Ehrengästen und auch die Bewohner von Oberkaltbrunn, Stocka und Schlipfham sind eingeladen. Für Musik und Unterhaltung sorgt die Wasner Musi unter der Leitung von Mitglied Hans Rutz. Bei Regen entfällt der Festzug und der Festabend findet abweichend in der Scheune von Mitglied Franz Kaffl am Johannesweg statt.
von Martin Aerzbäck
Bild zur Meldung: 100 Jahre Brand- und Katastrophenschutz in Westerndorf